Spielen ist mehr als nur Zeitvertreib für Kinder

Fremdsprachenunterricht für Vorschüler, ein Run auf Privatschulen und die Forderung, Schüler so früh wie möglich auf das Berufsleben vorzubereiten: Es scheint, als sei eine „klassische Kindheit“, die neben der Schule auch Freiräume bietet, heute unzeitgemäß. In gleichem Maße, wie Defi zite im schulischen Bildungswesen festgestellt werden, boomen private Angebote zum Wissenserwerb. Fast schon mit professioneller Distanz coachen Eltern ihre Kinder, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Das kann nicht nur einen Dauerstress auf die Kinder ausüben, die immer weniger Freiräume haben – es überfordert auch viele Eltern, denn sie müssen die vielfältigen Aktivitäten der Kinder koordinieren, müssen sie von Termin zu Termin fahren. Alles, damit die lieben Kleinen möglichst schnell Fähigkeiten und Sozialkompetenz erwerben.

So verringern sich die Freiräume, in denen Kinder ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen können: dem Spielen! Aber ist verspielte Zeit wirklich verschenkte Zeit? Nein, denn für die Entwicklung der Kinder ist auch das Spielen unverzichtbar. Beim Spiel mit Freunden oder Eltern werden „spielerisch“ Sozialkompetenzen erworben, die eigenen Fähigkeiten werden getestet. Spielen bedeutet einerseits Bestätigung, aber auchHerausforderung. Der nützliche Nebeneffekt: Spielen wird von Kindern als entspannend wahrgenommen. So wird Energie getankt, die gerade Kinder für die alltäglichen Herausforderungen in der Schule dringend benötigen.

Doch die Gelegenheiten für Kinder, sich draußen auszutoben, werden rarer. Einerseits, weil durch die geringe Geburtenquote immer mehr Spielplätze leer bleiben und es schwieriger wird, zufällig Altersgenossen zu treffen. Andererseits aber auch, weil die Eltern eine höhere Gefährdung der Kinder  wahrnehmen. Das Kind stundenlang draußen umherstreifen zu lassen würden manche Eltern als fahrlässig auffassen. Spielen ist Familienerlebnis Umso wichtiger ist es, zu Hause die Möglichkeiten zur kreativen Beschäftigung beim Spielen – oder auch Basteln – in allen Entwicklungsphasen zu fördern. Besonders interessant sind dabei natürlich Spiele, die sowohl alleine Herausforderungen bieten, aber auch gemeinsam mit Freunden und Eltern gespielt werden können. Denn das gemeinsame Spiel ist soziale Interaktion in Reinform. Ganz nebenbei stärken gemeinschaftliche Aktivitäten den Familienverbund.