KiKANiNCHEN: Vorschüler in Netz? – Muss das sein?

Interview mit Susanne Schneider, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur „Lernen und Neue Medien, Kindheit und Schule“ am Institut für Grundschulpädagogik und Kindheitsforschung der Universität Erfurt. Sie beschäftigt sich mit der frühkindlichen Mediennutzung, insbesondere der neuen Medien.

Susanne Schneider, wenn man Sie bei einer Umfrage ansprechen würde, ob Vorschüler heute schon am Computer sitzen sollten, wohin würde Ihre Antwort tendieren? Eher zu JA oder eher zu NEIN?

Nach einigem Abwägen würde ich eher zu „Ja“ tendieren.

Wie würden Sie Ihre Tendenz begründen?

Dieses „Ja“ möchte ich natürlich präzisieren. Vorschüler „sollen“ nicht am Computer sitzen, sie „können“, wenn von ihre Seite Interesse besteht. Dass sich diese Frage schon für die Altersgruppe der Vorschüler stellt, ist in der medialen Durchdringung des kindlichen Alltags begründet. In den letzten Jahrzehnten fanden rasante Entwicklungen statt. Daher sprechen wir heute von einer Mediengesellschaft und nicht zuletzt auch von einer Medienkindheit. Kinder im Vorschulalter nutzen heute bereits selbstverständlich unterschiedliche Medien. Sie sind mit dem Telefon vertraut, hören Radio oder Hörspiele auf CD und sie schauen fern. In vielen Familien erleben heute schon kleine Kinder den Computer- und Internetgebrauch ihrer Eltern oder älteren Geschwister. Mindestens ein Computer oder Laptop findet sich bereits in 88 Prozent der bundesdeutschen Haushalte, in denen Kinder aufwachsen (KIM-Studie 2008). Das der kindliche Alltag mit Medien durchdrungen ist, empfiehlt es sich frühzeitig einen bewussten Umgang auch mit digitalen Medien zu erlernen. Aber wie gesagt: Entscheidens für das Einstiegsalter sind letztendlich der Entwicklungsstand sowie das Interesse des Kindes.

Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung der Computer- und Internetnutzung bei Vorschulkindern ein?

Es ist davon auszugehen, dass aufgrund des gesellschaftlichen und bildungspolitischen Entwicklungen immer mehr Vorschulkinder online gehen werden. Eine Studie von ARD und ZDF, die 2003 durchgeführt wurde, zeigte, dass 3 Prozent der Drei- Fünfjährigen das Internet nutzen, die Nutzung steigt mit dem Alter. Bereits jedes Fünfte Kind im Alter von sechs bis sieben Jahren hat selbst Erfahrungen mit dem Internet. Dazu sehen viele Bildungspläne der Länder, auf Grund der aktuellen Entwicklungen der digitalen Medien, den Erwerb einer Medienkompetenz für die Jüngsten vor.

Vorschulkinder können noch nicht einmal mit der Maus umgehen, ahnen von einer vernetzten Welt kaum etwas und lernen gerade mal Symbole zu verstehen? Welches sind erste Schritte, die die Jüngsten gehen könnten auf dem Weg zu einem bewussten Umgang mit Computer und Netz?

Richtig, sehr junge Kinder sind anfangs nicht in der Lage einen Computer selbständig zu bedienen. Gerade auch Webseiten können sie zu Beginn nur nutzen, wenn sie unterstützt werden. Das gilt ebenfalls für Seiten, die speziell für sie erstellt wurden. Daher empfiehlt sich zunächst eine gemeinsame Nutzung mit den Eltern oder Erziehern. Die Kinder lernen dabei den Umgang mit den Eingabegeräten wie ZB. der Maus. Durch regelmässigen Gebrauch verbessern sich ihre koordinativen Fähigkeiten von Hand und Auge genauso wie die Bedienkompetenz. Wichtig dabei ist, dass angemessene Angebote zur Verfügung stehen. Geeignet sind vor allem solche, die keine Lesekompetenz erfordern bzw. Angebote, die Texte durch Symbole ersetzen. Daher sollte gerade die Menüführung visuell und auditiv erfolgen. Dabei erlernen die Kinder das Navigieren innerhalb der Seite. Je stärker die Kinder selbst aktiv werden können, umso motivierter sind sie.